Hokey (Gast) - 4. Feb, 20:25

Spiegelmans "Maus" ist wirklich unglaublich vielschichtig, auch wenn man das auf den ersten Blick vielleicht nicht glauben mag. Vor allem, wenn man sich erst seiner snobistischen Haltung gegenüber Comics entledigen muss. ;-) Ich freue mich drauf, "Maus" einmal mit einem Oberstufenkurs zu versuchen!

Und ja, die leidige Überwältigung im Zusammenhang mit dem Holocaust (und dem ganzen Dritten Reich), doch wie ihr entgehen? Und wie dem "Reingeben" von Material und Fragenkatalogen entgehen, wenn die Zentralabitursobligatorik drückt? Für ein offenes Unterrichten benötigte man offenere Strukturen, mehr Zeit und vor allem Verständnis bei Eltern und Vorgesetzten, um nicht irgendwann als der "Nazi-Lehrer" in der Lokalpresse aufzutauchen, schätze ich.

Ich frag' mal ganz offen: Was wäre Dein Weg, Lisa?

Lisa Rosa - 4. Feb, 21:11

Hallo Hokey, freut mich, dass Du auch mit "Maus" etwas anfangen kannst. Ich bin gespannt zu hören, welche Erfahrungen Du damit im Unterricht machst, wenn Du Spiegelmans Comic einsetzt. Ich habe nur gute Erfahrungen damit gemacht - sowohl bei meinen Söhnen als auch im Unterricht. Man kann ihn auch schon in der Sek. I einsetzen, und z.B. den Unterricht damit starten! Die Schüler haben viele Fragen, die zum Unterrichtsgegenstand werden können, und es zeigt sich beim Gespräch über die Lektüre, dass sie auch schon viel Vorwissen mitbringen. Man kann daran anknüpfen und den Unterricht daran entfalten. Wir haben hier zum Glück noch kein Zentralabi in Geschichte. Aber vielleicht läßt sich der Stoffkatalog fürs Zentralabi mit dem Katalog, den die Schüler selbst für ihr Lerninteresse aufstellen, abgleichen - und dann, wenn nötig, ergänzt man.
Ich würde immer aus der Gegenwart an das Geschichtsthema herangehen. Meiner Meinung nach ist Geschichte immer aus der Gegenwart gedeutete Vergangenheit. Der Maus-Comic zeigt es: Denn der erste Band ist ja die Gegenwart des forschend fragenden Artie, der endlich wissen will, warum er so "schwierige" Eltern hat, die ihm die Kindheit so schwer gemacht haben.
Wenn Du ein Beispiel für mein Herangehen mal "durchdekliniert" nachvollziehen möchtest, kannst Du ja vielleicht den Aufsatz lesen, den ich über das "Mahnmalprojekt" hier eingestellt habe: "Persönlicher Sinn und historisch-politisches Lernen. Ein Schulbeispiel zum Holocaust" http://lisarosa.twoday.net/stories/5351190/

Als "Nazi-Lehrer" bin ich noch nie verunglimpft worden, obwohl ich schon ziemlich ungewöhnliche Sachen gemacht habe. Und wenn Du wenigstens Doppelstunden statt Einzelstunden hast, kannst Du immer projektartig arbeiten. Vielleicht gibt es ja auch an Deiner Schule wenigstens ein Mal im Jahr Projekttage oder eine Projektwoche? Dann geht noch viel mehr. Und was es nicht gibt, kann man ja vielleicht mit anderen interessierten Kollegen in Gang setzen ...

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